Echo Formationen

Agnieszka Roguski

Auszug aus Textheft „Die Zeichen stehen gut“ 2019 2. Auflage Edzione Multicolore

In grellem Grün bewegt sich die Masse durchs Filmbild, aufgenommen im Zeitraffer. Kaum merklich kriecht sie Waldböden entlang, überdeckt Baumstümpfe und sucht feuchten Untergrund, den eigenen Körper selbst als klebrige Substanz zusammenhaltend. Der Schleimpilz oder Myxomyzet kann mikroskopisch kleine bis Quadratmeter große Ausmaße annehmen, je nach den Wachstumsbedingungen; er wird im Biologie-Unterricht als Mysterium präsentiert, in Mexiko als gebratene Delikatesse gegessen und in Laboren unter Mikroskopen beobachtet. Name und Gattung des Schleimpilzes sind dabei nicht deckungsgleich. Er ist kein Pilz – genauso wenig wie Pflanze, Tier oder chemische Verbindung. Als einzelliges Lebewesen verkörpert er eine Form von Intelligenz, die den eigenen Organismus wie ein Netzwerk begreift und belebt.

Zwischen den Luftblasen werden unter der Wasseroberfläche kleine Fische sichtbar. Ohne den menschlichen Fuß, der sonst zur Fisch-Pediküre gehört, verschmelzen sie zu einem Gesamtbild mit den Formen, die durch Bewegungen im Wasser entstehen. Unter dem Titel „Die Zeichen stehen gut“ zeigt Luise Marchand Fotos, auf denen Komfort-Socken an Füßen zu sehen sind, außerdem Schuhsohlen mit Aktivfederung, Verpackungen von figurformenden Strümpfen, ein Massageball zwischen Fuß und Yogamatte. Was auch immer den Fuß stimulieren und bearbeiten soll, schmiegt sich in den Fotografien an Körperteile, zeigt seine Nützlichkeit und wird benutzt. Den Aufnahmen gemein ist eine kühle Stille, die durch sie hindurch schimmert wie die scheinbare Regungslosigkeit einer hoch effizienten Festplatte. Die Oberflächen der applizierten Tools und Objekte scheinen dabei immer mehr zu sein als glatte Hüllen. In ihrer Funktionalität werden sie zu Schnittstellen, die selbst leben, atmen und fühlen. Sie bewegen sich nicht selbst, sondern setzen in Bewegung.

Alles, was sich hier regt, ist Widerhall. Ein Myxomyzet kommuniziert nicht durch seinen Zellkern, sondern durch pulsierende Schwingungen; durch feinste Reaktionen auf sein direktes Umfeld und auf Teile des eigenen Organismus. Er orientiert sich nach außen und nach innen gleichermaßen und wird zum ausschließlichen Resonanzkörper, der keine Organe besitzt, der nicht in Geist und Körper, Kopf und Gliedmaßen unterteilt werden kann. Myxomyzeten gelten als genauso ungreifbar wie vorbildhaft. Wie kann eine so abwegige, nicht kategorisierbare Spezies eine derart zeitgenössische Form des Lebens darstellen? Der Schleimpilz repräsentiert die Idee von Trans*: die Möglichkeit, durch Bewegungen, Verbindungen, Intensivierungen und Umgestaltungen Materie und Körper zu transformieren. Schleimpilze sind nichts als Prozess und Wandlung; zwischen und durch verschiedene Gattungen hindurch.

The signs are good.
Die Zeichen stehen gut.

Miriam Stoney

Post-industrial society has lost its grip on notions of work, rest and leisure. The rise of immaterial labour has been met with a growing optimisation of the individual, a continuous variable with multiple presences and temporalities. The prevalence tide of mixed, private-professional engagement forces us to be always, all ways, switched on. What does this mean for our intimate lives, our privacy and our integrity?

Our needs and desires are changing, as are our values. Well, the signs, the prospects, the indications are good. Good for what, for whom? Ask the objects that surround us, that serve us and distract us on a daily basis. Objects that perform so that we can too. They help us tend to our delicate, docile bodies so we can stay in the race, multi-tasking and mobile. Carefully compartmentalised, even our tears are ergonomic these days.

Kinesio tape on the shoulder replaces a warm hand, a touch helping us keep it together. As technologies of self-regulation and -exploitation are condensed and dispersed through our mental, emotion and physical lives, we’d better stay on the good side of these gadgets and tools.